2022 11 Schneeeule
Foto: HALALI - Ausgabe 11/22/01/23

Dr. Volker Pesch beschreibt in der Ausgabe 11/2022 der deutschen Zeitschrift "Halali, Jagd, Natur & Lebensart" auf S. 106 f., dass ausgerechnet Schnee-Eulen einen Geschlechts-Dimorphismus zeigen, anders als die meisten anderen Eulen. Das gezeigte Exemplar Bubo scandiacus ist ein Weibchen, erkennbar an den dunklen Streifen im Gefieder: Männchen sind reinweiß. Im Vereinigten Königreich dürfen Eulen immer noch gezüchtet und privat gehalten werden. Die EU-Vogelschutzrichtlinie gilt bis auf Weiteres nach dem Brexit weiter, wilde Eulen dürfen aber nicht gefangen werden. Sie werden in der "Roten Liste" als "gefährdet" eingestuft. So bleibt es bei zeitweiligem Ansturm auf die Zoogeschäfte, wenn Zaubereulen à la Harry Potter die jungen Fans begeistern. Anders als in England ist bei uns in Deutschland die Haltung von Eulen nur in seltenen Ausnahmefällen erlaubt. Kenntnisse in Haltung und Pflege sind in jedem Fall nachzuweisen. Nur erfahrenen Tierpflegern in anerkannten Auffangstationen und Falknern wird die Erlaubnis erteilt.

 

178 Bild Gamsbock Brunf

Foto: Archiv des Verfassers

Der Sternath Verlag Mallnitz hat die Original Ausgabe von F. C. Keller "Die Gemse" von 1887 nachgedruckt, seinerzeit Verlagsbuchhandlung Joh. Leon Sen., Klagenfurt. Der Vorarlberger Franz Carl Keller gibt in seinem "Monografischen Beitrag zur Jagdzoologie" ein erstes umfassendes Werk über den Gams heraus, das - eigentlich nicht weiter überraschend - auch heute noch, nach mehr als hundert Jahren Gültigkeit hat. Man versteht nicht nur den Gams besser, wenn man das überaus lebhaft und gewandt geschriebene Werk gelesen hat, sondern auch den schneidigen Gams-Jäger, der im Gegensatz zum Jäger von heute einst in der Bevölkerung so hoch im Kurs stand und sich auch etwas zutraute: Mutig, geistesgegenwärtig und robust.

 Fliegenfischen - Gewässer - Österreich - catcheria.com

Foto: catcheria

Bernhard Schmall, Universität Salzburg, berichtet in "Österreichs Fischerei" 75. Jahrgang S. 265 ff. über die Reproduktion der Äsche in der mittleren und unteren Salzach. Die Ergebniss e der Studie belegen einen dramatischen Rückgang der Äsche. Ehemals bedeutsame Laichgewässer sind durch Schwallbildung oder Austrocknung verkommen, die Auswirkungen des Klimawandels sind spürbar. Erhöhung der Wassertemperatur und Zunahme der Winterniederschläge bzw. die Abnahme der Niederschläge im Sommer verursachen ein Übriges. Auch die verringerte Schneeschmelze im Frühjahr kann bedeutsam sein. Fischprädation durch Graureiher, Kormoran und Gänsesäger können bei häufigem Auftreten fischökologische Wechselwirkungen auslösen. Um die Äschenbestände langfristig erhalten zu können, bedarf es eines Bündels von Maßnahmen, allem voran einer Verbesserung des Lebensraumes im Sinne eines hochwertigen Fliesswasserhabitats.

Foto: M.Ossmann Der Anblick 10/2022

Martin Ossmann, Chefredakteur der Jagdzeitschrift Der Anblick gibt in der Ausgabe Oktober 2022 S. 50 ff. ein Gespräch wieder, das am Rande der mitteleuropäischen Jagdtagung im tschechischen Zidlochovice mit der Präsidentin des Vereins Grünes Kreuz Dr. Christa Kummer und dem steirischen Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau geführt wurde. 

Frau Kummer, die Jagd ist immer eingebettet in ihr gesellschaftliches Umfeld. Wie nehmen Sie dieses Klima heute wahr?

Christa Kummer: Definitiv muss die soziale Komponente in der kommenden Zeit wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Wir haben total vergessen, dass wir Teil und nicht Herrscher über die Natur sind. Das fliegt uns jetzt um die Ohren. Fichtenmonokulturen sind eine Erfindung des Menschen. Sie sind labil und können sich auf die Auswirkungen des Klimawandels – den niemand mehr leugnen darf – nicht einstellen. Wir alle sind Zeugen einer Wende: Natur, Wirtschaft, Wissenschaft. Auch hier ist die Jagd ganz besonders betroffen. Das Prinzip „So war es eh immer“ gibt es nicht mehr. Über lange Jahre haben wir bequem gelebt und unbequeme Entscheidungen aufgeschoben. Die bequemen Schuhe müssen wir jetzt ausziehen, wir müssen neue anziehen. Veränderung ist immer verbunden mit Angst. Sehen wir den Veränderungen aber mit Freude entgegen, weil wir Pioniere sein können.

Herr Landesjägermeister, ist der klima-bedingte Waldumbau zu schaffen, ohne zeitgleich alle Anforderungen an eine tierschutzgerechte und strukturgerechte Schalenwildjagd über Bord werfen zu müssen?

Franz Mayr-Melnhof-Saurau: Das muss uns einfach gelingen! Hier sind aus meiner Sicht drei Faktoren für die Zukunft der Jagd esseziell: Erstens handelt es sich bei unseren heimischen Schalenwildarten um hochentwickelte Säugetiere, auf deren Bedürfnisse wir immer einzugehen haben. Jäger müssen darauf hinweisen, wenn es hier zu einem Ungleichgewicht kommt, wenn diese faszinierenden Wildtiere nur mehr als zu vernichtende Schädlinge betrachtet werden und es hier zu einem Ungleichgewicht kommt. Das Modell „7x64 für alle und alles“ darf nicht das Einzige sein, was wir Jäger anzubieten haben.

Zweitens haben wir eine Zunahme von Wald, er bietet aus meiner Sicht einen wesentlichen Rohstoff für die Zukunft. Auch ich lebe vom Wald und gebe im Gegensatz zu manch anderem offen zu: Den klimafitten Wald müssen wir erst entwickeln. Fragt man jene, die sich ernsthaft damit beschäftigen, blickt man überwiegend in ratlose Gesichter. Wer anderes behauptet, verlässt den Boden der Seriosität. Wir leben in Europa in einer Region der starken Industrialisierung. Allein der Stickstoff-eintrag über die Luft ist heute enorm, das beeinflusst die Wuchsleistungen in Wald und Flur. Einhergehend ist mit der Industrialisierung der dramatische Verlust der Artenvielfalt zu beobachten. Drittens ist in Österreich auch der enorme Zuwachs im Tourismus zu nennen. Im Jahr 1980 verzeichnete man in der Steiermark noch 3,5 Millionen Winter-Nächtigungen jährlich, 2018 waren es bereits rund 6 Millionen. Vor diesem Hintergrund ist zu sagen, dass Touristiker heute unsere Landschaften wesentlich mitentwickeln. Mit dem Projekt zur Etablierung eines Besucherlenkungsprogramms setzen wir in der Steiermark hier ein wichtiges und notwendiges Zeichen.

Wie weit hat sich die Gesellschaft von der Natur entfernt?

Christa Kummer: Ich habe vor wenigen Tagen mit angehenden Jägern gesprochen. Sie sind Ärzte und Eltern von achtjährigen Zwillingen, die in ihrer Schule eine sehr tierschutzbewusste Bildung erfahren. Die Eltern waren gefordert, ihren Kindern zu erklären, warum sie zukünftig auch Tiere erlegen werden. Eines der Kinder zeigte sich bald überzeugt und fand es spannend, dass Papa und Mama nun für das „Mega-bio-Fleisch“ selbst zuständig sind. Es geht also darum, wie kommuniziere ich, wie präsentiere ich, und ich glaube, wir brauchen innerhalb der Jagd nichts beschönigen und auch nichts glorifizieren, wir brauchen aber auch nichts schlechtreden. Wir sollen die Dinge einfach nur ehrlich beim Namen nennen. Trophäenjagd ist Nichtjägern praktisch nicht zu erklären. Wir Jäger wissen aber, dass alte Stücke, Wildbretgewichte und starke Trophäen auch Auskunft über die Vitalität von Wildbeständen geben etc. Dass wir uns darüber indirekt über die Trophäe freuen, muss man schon gut erklären können.

2020 Jagd in Tirol Maerz Gamszhlung

Foto: Jagd in Tirol

Rudi Reiner berichtet in "Jagd in Tirol" Ausgabe Oktober 2022 S. 10 ff. über die Auswirkungen des Klimawandels, die durch den Lebensraum des Gamswildes in Waldlandschaften im Hinblick auf Körpergewicht, Wachstum und Reproduktion gemildert werden können. Wildpretgewichte von Gämsen aus alpinen Beständen liegen nämlich bei hohen Frühlings- und Sommertemperaturen um bis zu 10% unter den Werten nach kühlen Frühlingen oder Sommern. In reinen Waldgebieten hingegen hatten die Temperaturen in den Studien der letzten Jahre keinen Einfluss auf die Wildpretgewichte. Wälder scheinen als Puffer gegen die Auswirkungen steigender Temperaturen auf alpines Schalenwild zu wirken. Gamsgeißen in Waldgebieten reproduzieren früher als in alpinen Lebensräumen. Letztere haben demnach ihre Lebensreproduktionsleistung erst in höherem Alter erreicht als ihre Artgenossen in reinen Waldgebieten. Die Bejagung von Gamswild sollte deshalb die verschiedenen Lebensraumtypen berücksichtigen. Eine zurückhaltende Bejagung ist vor allem in alpinen Lebensräumen wichtig, da die Zuwachsraten, wie gezeigt, in Regionen mit geringem Waldanteil schon jetzt geringer sind und sich bei fortschreitendem Klimawandel noch verstärken können.

Hirschkuh Detail

Foto: Deutsche Wildtier Stiftung

Auf Bewegungsjagden besteht ein großes Risiko, durch Erlegung von führenden Alttieren deren Kälber zu Waisen zu machen. Olaf Simon, Wildbiologe und geschäftsführender Mitarbeiter am Institut für Tierökologie in Hessen, beschreibt sinnvolle Verhaltensmaßnahmen in der Ausgabe Oktober 2022 von "Jagd in Bayern" auf S. 28 ff., um diese jagdlichen Fehler zu minimieren und dem Muttertierschutz damit weitgehend Rechnung zu tragen. In erster Linie ist es fatal, bei Erscheinen eines allein, also ohne Kalb ziehenden Alttieres, darauf zu schließen, ein nicht führendes Tier vor sich zu haben. Gerade bei Bewegungsjagden, wo durch Einsatz hochläufiger Hunde Tier und Kalb oftmals versprengt werden, heißt es, den Finger gerade zu lassen. Simon stellt drei wichtige Regeln auf: Kalb-Alttier-Dublettenabschuss bereits im August, auf Kälberabschuss (einschließlich der Alttiere) fokussierte Bewegungsjagden bis Ende November, hundelose Bewegungsjagden im Dezember, auf denen dann auch einzeln anwechselnde Alttiere geschossen werden können. Diese Maßnahmen können Kälberwaisen auf den Bewegungsjagden weitgehend verringern.

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Foto: Archiv des Verfassers

In der Verhaltensforschung ist das Paarungssystem bei Huftieren von zentraler Bedeutung für die Partnerwahl, wie Hubert Zeiler in seinem Beitrag für den "Anblick" September 2022 auf S. 14 f. erläutert. Unabhängig vom jeweiligen Kulturkreis, in dem etwa die Jagd zur Brunft- bzw. Paarungszeit als unwaidmännisch gilt, ist das Thema Partnerwahl und die sich ergebenden Folgen für die genetische Vielfalt immerwieder von hohem wissenschaftlichen Interesse. Für einen gesunden Wildbestand ist eben die Vermeidung von Inzucht bzw. sind die immer wieder neu verteilten Gene von entscheidender Bedeutung. Paarungssysteme dürfen aber nicht nur vom männlichen Standpunkt aus gesehen werden. Also zum Beispiel bei Rehböcken, die ein gutes, d. h. großflächiges Territorium verteidigen, das mit einem guten Nahrungsangebot die weiblichen Tiere anlocken kann. Im Vergleich mit dem Rothirsch, der oft weite Strecken zum Kahlwild zurücklegt, ist das System beim Rehwild konservativ. Beim Rotwild gibt es eher Unterschiede zwischen erfolglosen und Erfolg versprechenden Hirschen. Aber auch Hirschtiere unternehmen Ausflüge zu anderen Brunftrudeln. Nicht nur Hirsche sind in Bewegung. Wechseln Tiere zwischen Hirschen, so kann dieses Verhalten zur Vermeidung von Inzucht dienen.

2022 Rotwild genetik

Foto: Der Anblick 9/22

Florian Kunz weist in der Septemberausgabe 2022 von "Der Anblick" auf S. 20 f. auf die Folgen zu kleiner Rotwildpopulationen hin, die genetisch verarmen, wenn sie sich nicht mit anderen- aus welchen Gründen auch immer- verpaaren können. Unter normalen, nicht inzuchtbelasteten Umständen kann die Vererbung einer nachteiligen Variante von dem unbelasteten anderen Elternteil kompensiert werden. Das gilt aber nicht, wenn beide Elternteile nahe verwandt sind. Ausgeprägte Inzuchtmerkmale sind beispielsweise beim Rotwild bekannt durch verkürzte Unterkiefer. Die Überlebenswahrscheinlichkeit dürfte geringer sein, wenn dadurch die Nahrungsaufnahme eingeschränkt wird. Weitere Ausprägung dieses Phänomens sind beispielsweise verdrehte Gesichtsschädel. Hohe Kosten sind damit verbunden, will man durch Aussetzung etwa die Problematik angehen. Moderne Managementstrategien zur Vernetzung solcher Populationen können sinnvoll sein.

 Bildergebnis für Fust Tirol

Foto: FUST Tirol

Im Forschungsareal des FUST‐Tirol wurde die aktuelle Waldstruktur auf ehemaligen Wildverbiss‐Monitoringflächen untersucht. Die Waldbestände sind nun bis zu 12 Meter hoch und bis zu 30 Jahre alt, vorwiegend montaner Fichten‐Tannen‐Buchenwald mit Vorkommen von Rotwild, Gams und Reh. Es wurde überprüft, wo die forstlichen Bestockungsziele langfristig erreicht werden konnten und ob die ehemaligen Wildschadensprognosen mittels Trakt‐Verfahren zutreffend waren oder nicht. Die Auswirkungen von Fegestellen und Verbiss für die Baumartenzusammensetzung in den Dickungen und Stangenhölzern waren heute nicht mehr hinreichend erkennbar. Dies läßt Zweifel aufkommen über die Treffsicherheit von etablierten Verfahren zur Erfassung und Bewertung von Wildschäden, wie Prof. Reimoser und WM Stock in der Studie feststellt. 

 2022 Renke TegernseeBFG Magazin 3.22/AdobeStock.com

Vom Fischen auf Renken berichtet Frank Meißner im BFG Magazin 3/2022 auf S. 12 f. und lüftet das Geheimnis der Hegene. Die künslichen Nymphen im Abstand von 30 Zentimetern am Seitenarm übereinander geknotet haben eine magische Anziehungskraft auf Renken. Sie sehen so täuschend echt aus und überlisten die Salmoniden bei der Nahrungsaufnahme. Der Fisch nimmt den Köder mit dem Maul nach unten und hebt kurz seinen Kopf. Durch das Bleigewicht am unteren Ende der Schnur hakt sich der Fisch im Gegenzug selbst, so dass es eines Anhiebs nicht mehr bedarf. Im September steigt wieder die Saison, früh morgens, wenn die ersten Sonnenstrahlen das Wasser erreichen.

 

Foto: Der geläuterte Jäger-animal-spirit.at

Rudolf Winkelmayer hat "Ein(en) Beitrag zur Jagd-und Wildtier-Ethik" verfasst. Das Buch ist erschienen im Sternath-Verlag, 2022, Mallnitz. Prof. Dr. Winkelmayer war einst begeisteter Jäger, sogar von Großwild in Afrika. Heute wird die Jagd von ihm nur in engen ethischen Grenzen akzeptiert. Möglicherweise hat er als Amtstierarzt zuviel tierisches Leid gesehen, was ihn zu der heutigen Auffassung verleitet hat. Jagdethik begründet er auf höchster wissenschaftlicher Stufe, was ihn von vielen Tierschützern unterscheidet. Wo steht die Jagd am Beginn des 21. Jahrhunderts, wo wird die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd noch erkennbar? Antworten darauf geben Kapitel wie "Warum jagen wir?", ausgehend von Ortega y Gasset's verfassten "Meditationen über die Jagd".

 

Foto: Harald Klingbeil, Forum für Jagdmusik

Das französische Parforcehorn dient als Kommunikationsmittel während einer "chasse à courre", einer Jagd zu Pferde. Diese Art zu jagen wird heute u.a. noch in Frankreich praktiziert, weshalb es nicht verwundert, dass die Jagdmusik in Frankreich am meisten gepflegt und weiterentwickelt wird, wie Harald Klingbeil vom Forum für Jagdmusik in der Ausgabe August 2022 von "Jagd in Bayern" auf S. 20 f. berichtet. Der Verwendung von Informationen kam und kommt gerade in der Jagdreiterei, die unter Ludwig XVI. ihre größte Blüte fand, große Bedeutung zu. Mit über 4,50 Meter gebogener Gesamtlänge hat das aus Messing gefertigte Instrument in der Tonlage D eine außergewöhnliche Klangqualität. Sein Pavillon ist innen dunkel brüniert, um das nachfolgende Feld nicht zu blenden. Sicherlich ist für die Zuhörer die Klangcharakteristik gewöhnungsbedürftig, der "Ton de Vénerie" verlangt höchste Perfektion. Das "Tayaut" soll das Hundegeläut imitieren, die "Fanfares de circostances et d´animaux" den Verlauf und die gesichtete Beute signalisieren. 2000 Bläser in den Benelux-Staaten, in Frankreich und in der Schweiz blasen die "Trompe", in Deutschland etwa 200 Jäger. Hier wird die Jagd auf eine künstlichen Fährte gepflegt, wie z.B. im Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein in Drevenak/Hünxe am Niederrhein.

Foto: campingflorenz.com

Die Fachdisziplin der Phylogeographie befasst sich mit genetischen Analysen über größere Räume, die Populationsstrukturen erfassen und die historische Herkunft erläutern. Florian Kunz berichtet in Heft 8/2022 S. 8 f. der Zeitschrift "Der Anblick" unter der Rubrik Internationale Rotwildgenetik u. a. über die "Mesola-Hirsche" in der Po-Ebene. Sie sind die letzten genetisch nachweisbaren Vertreter der italienischen Rotwildlinie nach der Eiszeit vor rund 23.000 Jahren. Die Betrachtung von autochthonen Populationen als den letzten "Echten" lehnt die Wissenschaft jedoch generell für eine Art wie das Rotwild ab. Zu sehr hat der Mensch in die Entwicklung des Rotwildes eingegriffen durch z. B. Auswilderungsprojekte, als dass hier von ursprünglicher Genpopulation gesprochen werden könnte. Auch durch infrastrukturelle Entwicklung wie Straßenbau sind Lebensräume zerschnitten worden, die zu Fragmentierung der Genetik führten. Unnatürlicher Eintrag fremder Gene in die Rest-Population bestimmter Herkunftsarten sollte daher verhindert werden, um Populationen wie die der Mesola-Hirsche nicht zu gefährden. Dies ist bei zukünftigen Managementkonzepten und angedachten Translokationen stets zu beachten.

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Foto: Der Anblick - Ausgabe 07/2022 Coverbild 

Bernd E. Ergert, der ehem. Direktor des Jagdmuseums in München berichtet in der Ausgabe 7/2022 der Zeitschrift "Jagd in Bayern" auf S. 12 f. von Lockinstrumenten, mit den schon die frühen Jäger ihre Beute überlisteten. Schon in der Altsteinzeit waren Pfeifchen aus kleinen Knochen bekannt. Für die Hirschjagd verwandte man beispielsweise die Tritonschnecke, die schon äußerlich ein besonders schönes Instrument darstellte. Herzog Albrecht von Bayern nutzte einen Roggenhalm auf der Blattjagd, mit dem er den fiependen Laut einer Rehgeiß imitierte. Auch auf Fuchs und Marder kann man mit unterschiedlichsten Lockern jagen. Vogelpfeifen für die Niederwildjagd waren schon im 17. Jahrhundert bekannt.

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Foto: Prof. Thomas Posch Uni Zürich

Toxische rote Algen sind seit biblischen Zeiten bekannt, so der Bericht des Forschungsinstituts für Limnologie an der Universität Innsbruck. Rainer Kurmayer schreibt auf S. 139 ff. in "Österreichs Fischerei" über das Auftreten von roten Cyanobakterien-Blüten in den Alpenseen am Beispiel des Mondsees. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts finden sich Hinweise in der Literatur auf rot gefärbte Schlieren an der Wasseroberfläche. Die Bezeichnung "Burgunderblut" geht auf die Schlacht bei Murten in der Schweiz im Jahr 1476 zurück, als die Eidgenossen Soldaten aus Burgund ertränkten: Die rotschaumigen Auftriebe hielt die Bevölkerung für deren aufgestiegenes Blut.
Nach Schlechtwetterperioden kommt es in den Alpenseen im Frühjahr immer wieder vor, dass durch starke Lichteinwirkung die Cyanobakterien, die sich auf Wasserschichten in 10-12 m Tiefe sammeln, absterben und sich diese giftige Schäume bilden. Mensch und Tier wird ein Kontakt nicht empfohlen, Wasserproben sollten vor der Badesaison die Unbedenklichkeit bescheinigen.

 

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Foto: fr.wikipedia.org

Der Vorstehhund Braque Francais-Type Pyrénées wird als einer der ältesten französischen Ahnen beschrieben. In ihrem Beitrag für "Halali", Zeitschrift für Jagd, Natur und Lebensart Ausgabe 02/2022 S. 107 f. schildert  Angelika Glock den kleiner und leichter gebauten Pyrénées als den flinkeren gegenüber dem etwas größeren und schwereren Gascogne. Der hierzulande "Französisch Kurzhaar" Genannte hat nichts mit Bracken zu tun, der Name Braque bedeutet nichts anderes als der kurzhaarige Hund. Darauf weist die Landesobfrau der Rasse in Bayern Ursula Kilgenstein hin. Ausdauernd, schnell und mit hoher Passion, so wird der Braque als idealer Jagdbegleiter beschrieben. Weiß mit braunen Platten, oder weiß mit brauner Schimmelung und mit Platten, oder einfarbig braun, so kommt er daher.

2022 JagdkulturFoto: 27. Österreichische Jägertagung in Aigen 2022

Auf der diesjährigen Jägertagung in Aigen, die am 30. Mai 2022 beginnt, fällt im Rahmen der Beiträge zu Speakers Corner ein Referat von Frau Lena Payer auf: "Die Renaissance der Jagd - im Wandel der jagdlichen Kultur". In der Steiermark ist noch altes jagdliches Kulturgut anzutreffen: Man geht selbstverständlich in Tracht zur Jagd (siehe Foto). Payer: "Die Jagd erlebt einen Aufschwung, wenn man so möchte – eine Renaissance. Diese ist zu immer größer werdenden Teilen auch weiblich und wird modern. Vielleicht sogar wieder gesellschaftstauglich? Moderne gesellschaftliche Trendbewegungen wie Nachhaltigkeit, Biodiversität, Zurück zum Ursprung, Wertschätzung gegenüber dem Lebensmittel und der Natur sind nur wenige moderne Zugänge für die Jagdausübung. Die Natur ist ein Thema, das Gesellschaft, Wirtschaft und Jagd verbindet und alle Seiten gleichermaßen interessiert und betrifft". 

2022 AuerhahnFoto: Kirchmair - Jagd in Tirol  - Ausgabe 05/2022

Dr. Sigrid Zobl, Naturparkverein Kaunergrat beschreibt in der Mai-Ausgabe von "Jagd in Tirol" 05/2022 auf S. 17 ff. die Gefiederreflexionen des Auerhahns und seine Bedeutung. Einige seiner Federn, insbesondere im Brustbereich, reflektieren nämlich Licht nicht nur im für das menschliche Auge sichtbaren Bereich, sondern auch die für die Artgenossen des Hahns im ultravioletten Bereich wahrnehmbaren Strahlen. Das blau-grün bis violett schillernde Brustgefieder soll in der Frühjahrsbalz die Weibchen anlocken und beeindrucken. Sein braun-weißes Gefieder dagegen hat Tarnfunktion. Die Studie zeigt im Übrigen auf, wie das Vogelauge im einzelnen aufgebaut ist, nämlich vier Arten von Rezeptoren im roten, grünen, blauen und ultravioletten Bereich. Neben den geschilderten Stäbchen haben die Vögel ein Doppelzapfensystem für den kurzwelligen, also dunklen Breich, das sie auch in der Dämmerung gut sehen läßt. Die Natur hat hier also zwei Komponenten zusammengeführt, das innergeschlechtliche Sehvermögen, das die Partnerwahl bestimmt, auf der anderen Seite die Tarnfunktion des grau-bräunlichen Gefieders gegenüber Fressfeinden. Das mit Strukturfarben versehene Brustgefieder, das uns so beeindruckt, zeigt die Fitness des Hahns: Je schillernder, umso fitter. 

 2022 05 Jagd in Tirol Birkhahn
Foto: Mächler/Jagd in Tirol.at

In Tirol sind die Bestände der Raufußhühner erneut erfasst worden. Schon 2005, 2010 und 2015 hat das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien die methodischen Vorbereitungen im Land Tirol begonnen. Die nun in 2021 erneut erfassten Bestände in Kooperation mit dem Amt der Tiroler Landesregierung und dem Tiroler Jägerverband sind in der Mai-Ausgabe von "Jagd in Tirol" 2022 auf S. 10 ff. veröffentlicht. Prof. Reimoser und seine Frau stellen die Ergebnisse vor, die bei Auerhahnen eine gleiche Bestandsdichte wie in den Vorjahren 2015 und 2010 ausweisen, bei Birkhühnern sogar eine leichte Steigerung. Diese repräsentativen Bestandserhebungen rechtfertigen einmal mehr, dass in Österreich als einzigem mitteleuropäischen Land Raufußhühner nach den Bestimmungen der Europäischen Vogelrichtlinie bejagt werden dürfen.

133 Bild Grouse

Foto: Archiv Verfasser

Dr. Stefan Fellinger beschreibt in der Ausgabe 04/2022 von "Jagd in Tirol" auf S. 34 f. das Jagen in Schottland, sei es auf den Hirsch (Stalking) oder das Moorschneehuhn (shooting). Getriebene grouse sind wohl die teuersten Flugwildarten, der Jäger erscheint dazu in einem entsprechenden Outfit: Kappe, Krawatte, Sakko, aber bitte nicht zu neu, dann erkennt man ihn als Neureichen. Die gesellschaftliche Bedeutung der Jagd drückt sich eben, trotz widrigen Wetters, in der Kleidung aus, man geht elegant zur Jagd. Die Saison auf das Moorschneehuhn beginnt am "Glorious 12th", dem 12. August, dem Tag, ab dem für die nächsten 151 Tage die Jagd auf Grouse erlaubt sind. Dieser Tag ist ein Fixtermin im Landleben Schottlands, auch in der Gastronomie, wo am selben Abend schon die ersten Hühner auf der Karte stehen. Auf zwei Arten kommt das Huhn zur Strecke: entweder getrieben "driven" oder mit Vorstehhunden "walked up". Erstere Jagdart ist begehrter, dafür wird erheblicher Aufwand betrieben. Der Preis der Hege, also in erster Linie der Raubwildkontrolle und der Biotopflege, dem Abbrennen der Heide in regelmäßigen Abständen, um neuen Wuchs aufkommen zu lassen, ist enorm. Auch Entwurmungen durch Behandlung des Bodens, die Organisation der Jagd und die Kosten des Personals sowie des technischen Equipments, um einige Positionen zu nennen, gehören dazu. In den exclusiven Jagdrevieren kommt so leicht ein Tagesaufwand von 18.000 Pfund zusammen, den sich der Veranstalter auch bezahlen läßt. Üblicherweise teilen sich diese Kosten Gruppen von 8 bis 9 Jägern, so dass bei 10 erlegten Hühnern ein Stückpreis von bis zu 200 Pfund pro Huhn üblich ist. Auf diese Weise werden in Schottland mit der Moorhuhnjagd ca. 50 Millionen Pfund umgesetzt und tausend Arbeitsplätze gesichert.